„Die Heimatregion barrierefrei gestalten“

ILE Akteure, Themen

 Senioren- und Behindertenbeauftragte der ILE Bayerwald informieren sich über Barrierefreiheit

 > hier ein Link zum TV-Beitrag

Deggendorf. Eigentlich sind alle Hindernisse beseitigt für das „Barrierefreie Bayern 2023“; das Bayerische Baugesetz schreibt die Barrierefreiheit für alle öffentlich zugänglichen Bauten vor. Dazu gehören nicht nur Ämter und öffentliche Einrichtungen, sondern auch Geschäfte, Sportanlagen, Schulen, Gasthäuser, Vereinsheime – kurz: alles, was Publikumsverkehr hat. Allerdings wird in den meisten Bauämtern der Kommunen ausdrücklich nicht geprüft, ob solche Anforderungen erfüllt werden. Über dieses doch erstaunliche Vorgehen informierte der Architekt Markus Donhauser von der „Beratungsstelle Barrierefreiheit“ der Architektenkammer die Senioren- und Behindertenbeauftragten der fünf Landkreise Deggendorf, Passau, Regen, Straubing und Freyung-Grafenau, die in der ILE Bayerwald zusammengefasst sind. Die Arbeitsgruppe, die sich unter Federführung des Amtes für Ländliche Entwicklung regelmäßig trifft, hat sich zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit und die Verwaltungen für die Notwendigkeit der Barrierefreiheit zu sensibilisieren. Das zweite Treffen der Gruppe fand am Freitag im Deggendorfer Rathaus statt, wo Bürgermeister Günther Pammer die Gäste begrüßte. Die Arbeitstagung leitete Werner Weny vom Amt für Ländliche Entwicklung in Landau.

Diana Gallrapp und Katharina Englbrecht hatten als Ergebnis der ersten Sitzung einen Flyer mitgebracht, einen Wegweiser zur Förderung von barrierefreiem Wohnen. Der stellvertretende Regener Landrat Helmut Plenk hat hier seine Kenntnisse als VdK-Geschäftsführer in den Dienst der fünf ILE-Landkreises gestellt. Wie lange freilich die Fördergelder reichen, wenn die Anträge zunehmen, ist fraglich. Seniorenbeauftragte Anna Eder machte Mut: „Wenn die Fördertöpfe leer sind, zeigt dies den Bedarf deutlich auf“. Tatsächlich können Privatleute bis zu 10 000 Euro beantragen, um etwa ihr Bad oder den Eingang zur Wohnung barrierefrei umzubauen. Voraussetzung: Das Einkommen darf bei Ehepaaren nicht über 29 000 Euro jährlich liegen und der Bau darf noch nicht begonnen sein. Je höher der Grad der Behinderung, desto größer die Chancen auf einen Zuschuss, sagte Plenk; in seinem Landkreis Regen seien bereits 50 solcher Anträge bewilligt worden. Solche Informationen sind natürlich für alle Behinderten- und Seniorenbeauftragte hilfreich. Mit dem neuen Wegweiser sollen nun die Architekten, die Innungen und die Bürgermeister über diese Möglichkeiten informiert werden.

Der Neubau einer Pizzeria ohne behindertengerechten Zugang und Sanitäranlagen – das geht eigentlich gar nicht, erfuhr Otto Vilsmaier, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Deggendorf. Aber Architekt Markus Donhauser schränkte ein, dass in den meisten Kommunen diese neue Vorgabe nicht geprüft werde. Behindertenbeauftragte müssten also von sich aus tätig werden und auf die gültige Bayerische Bauordnung pochen. Das gilt nicht nur für öffentlich zugängliche Gebäude. In der Bay. Bauordnung ist auch vorgeschrieben, dass in Wohnblöcken mit mehr als sechs Wohnungen einige Wohnungen barrierefrei sein müssen. Je größer das Haus, desto mehr behindertengerechte Wohnungen müssen es sein. Das wirkt sich auf die Breite der Flure aus, auf den Raum vor den Türen (Wenderadius für Rollstühle!) auf die Höhe der Türklingel und anderes mehr. Die Beratungsstelle der Architektenkammer, die jeden ersten Donnerstag im Monat Sprechstunden im Landratsamt Deggendorf abhält, klärt dort Bauherrn auf. 18 solcher Beratungsstellen gibt es in Bayern, in Niederbayern kann man sich nur in Landshut und Deggendorf kostenlos informieren lassen.

Zum Thema Barrierefreiheit 2023 (bis zum Jahr 2023 soll ganz Bayern barrierefrei sein) gehören auch die Verkehrswege. Da geht es um ganz praktische Fragen, etwa um abgesenkte Bordsteine. Während die Rollstuhlfahrer darauf drängen, dass die Übergänge über die Straße völlig eben gebaut werden, brauchen Blinde und Sehbehinderte zumindest eine kleine Abstufung (sechs cm), damit sie den Schritt auf die Fahrbahn mit dem Blindenstock ertasten können. Vilsmaier berichtete von der Möglichkeit, beide Varianten nebeneinander zu bauen, während Donhauser berichtete, man einige sich meist auf eine kleine Stufe von drei Zentimetern Höhe. Er riet dazu, unbedingt Vertreter beider Behindertengruppen zu einer Verkehrsbegehung zu holen, damit man zu einem Kompromiss der unterschiedlichen Interessen gelange. So sehr die Gehbehinderten im Rollstuhl sich freuen, wenn Parkstreifen und Gehwege brettleben gebaut werden, so gefährlich ist das für Blinde, die sich auf den stufenlosen Flächen nicht mehr orientieren können. Donhauser sprach von den Möglichkeiten, Noppenbänder in die Gehwege einzubauen, damit Blinde ihren Weg finden. Bewährt hätten sich auch Streifen mit deutlich anderen Pflastersteinen.

Das nächste Arbeitstreffen der Senioren- und Behindertenbeauftragten findet im Juli in Regen statt.

B1 kleiner

 

v.l.n.r: Edith Ecker (VHS Passau), Roland Gruber (Seniorenbeauftragter Landkreis Passau), Diana Gallrapp (Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern), Anna Mitterdorfer (Seniorenbeauftragte Freyung-Grafenau), Hans Süß (Behindertenbeauftragter Landkreis Freyung-Grafenau), Christine Kreuzer (Seniorenbeauftragte Landkreis Regen), Markus Donhauser (Architekt Beratungsstelle Barrierefreiheit), Cornelia Wohlhüter (Seniorenbeauftragte Stadt Deggendorf), Werner Weny (Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern), Anna Eder (Seniorenbeauftragte Landkreis Deggendorf), Katharina Englbrecht (Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern), Otto Vilsmaier (Behindertenbeauftragter Landkreis Deggendorf), Johann Edenhofer (Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern), Ursula Baumgärtler (Betreuerin seniorenpolitisches Gesamtkonzept Landkreis Deggendorf), Helmut Plenk (Behindertenbeauftragter Landkreis Regen)