Lioba Degenfelder, Projektleiterin Ackerwert, Foto: David Schreck

Ackerwert – Verpachten für Mensch und Natur

M. Akteure, Allgemein, Bayerischer Wald. Heimatregion, Themen

„A.ckerwert – Nachhaltig Verpachten“ schon mal davon gehört? A.ckerwert ist ein kostenloses Beratungsangebot für FlächeneigentümerInnen, die bei der Verpachtung ihrer Wiesen und Äcker auch den Natur- und Umweltschutz berücksichtigen wollen. Dabei sucht A.ckerwert ganz ausdrücklich und offensiv den Austausch und Konsens zwischen Belangen von Natur- und Umweltschutz und den Bedürfnissen des einzelnen Landwirts. Damit also in den Pachtvereinbarungen nicht nur Zahlen, sondern auch Werte ihren Platz finden. Denn auch im Grundgesetz steht im Artikel 14: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Jede(r) kann also etwas zum Umweltschutz beitragen! Und  A.ckerwert machts möglich.
Wer kann sich an Ackerwert wenden?
Ackerwert ist vor allem Ansprechpartnerin für FlächeneigentümerInnen, die den Wunsch nach einer nachhaltigeren Bewirtschaftung auf ihren Flächen haben – egal ob private Grundeigentümer, Gemeinden, Kirchenverwaltungen oder Unternehmen. Die Ziele sind dabei immer individuell. Aber es geht immer um eine buntere Agrarlandschaft, eine intaktere Natur, einen gesünderen Boden und um mehr Artenvielfalt, das zeigen auch die folgenden Beispiele.
Plötzlich Flächeneigentümer, was nun?

Plötzlich Flächeneigentümer, was nun? Foto: Ackerwert

Plötzlich waren sie Wiesenbesitzer, die Geschwister Andrea Kramer und Ludwig Faschingbauer. Ihre Eltern hatten ihnen die Fläche in Lackenhäuser im Bayerischen Wald im österreichisch-tschechischen Grenzgebiet überschrieben. Doch beide leben mit ihren Familien nicht vor Ort. Trotzdem. Der Natur etwas zurückgeben, dafür müsste sich die Wiese inmitten einer Grünlandfläche doch eignen, dachten sie sich. Lioba Degenfelder von A.ckerwert stellte den Kontakt zu Tobias Windmaißer vom BUND her, der das Projekt „Quervernetzung Grünes Band“ betreut. Und genau – mit Gehölzpflanzungen, Lesesteinriegeln und dem Beibehalten der Mährhythmen durch einen Biobauern wird die Fläche Trittsteinbiotope anbieten und mehr Strukturvielfalt in die Landschaft bringen. Denn diese Fläche soll nicht nur Flora und Fauna zusammenhalten, sondern auch das Bindeglied für die nächste Generation sein.

Drei Generationen der Familie Wallner als Flächeneigentümerinnen waren sich einig: Nachdem ihr früherer Bewirtschafter die Landwirtschaft aufgab, wollen sie nun ihre Ackerflächen in Niederwinkling an einen Biobetrieb verpachten. Zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Straubing und den neuen Pächtern vom Naturlandbetrieb der Familie Retzer wurden noch Ideen für zusätzlichen Arten- und Naturschutz und mögliche Förderprogramme besprochen. Ein echtes Generationenprojekt, die Neuverpachtung von Ackerflächen in Niederwinkling.

Warum wenden Sich EigentümerInnen und PächterInnen an Ackerwert?

Die Gründe, warum sich FlächeneigentümerInnen an Ackerwert wenden sind vielfältig. Die Einen vermissen die Artenvielfalt, die sie mal kannten („Ich vermisse den Gesang der Feldlerche auf den Äckern, die Kiebitze auf meinen Wiesen. Was kann ich als Flächeneigentümerin für den Erhalt der Artenvielfalt tun?“), die Anderen wollen ihren Boden fruchtbar halten („Ich will als Flächeneigentümer, dass die Wertigkeit und die Gesundheit meines Bodens erhalten bleibt.“) oder kämpfen für mehr Akzeptanz („Ich will die Akzeptanz der Verbraucher für die Landwirtschaft zurückgewinnen.“). Wieder Andere sehen sich als EigentümerInnen in der Verantwortung etwas für den Umweltschutz zu tun („Ich will die Verantwortung für meinen Grund und Boden übernehmen. A.ckerwert hat mir geholfen, das auch ganz praktisch in die Tat umzusetzen.“). Dazu kommt, das Pachtverträge oft kompliziert und aufwändig sind, was viele überfordert. Außerdem kennen nur sehr wenige die aktuellen Förderprogramme für einen nachhaltigeren Ackerbau. Wichtig ist aber allen, dass die Pachtvereinbarungen auf dem Austausch und Konsens beruhen, der Boden langfristig verpachtet wird und dabei fruchtbar bleibt. Das Beratungsangebot ist dabei stets komplett kostenlos.

Und was haben eigentlich die Landwirte von „A.ckerwert“?
Auch die Landwirte profitieren von Ackerwert, Foto: David Schreck

Auch die Landwirte profitieren von Ackerwert, Foto: David Schreck

Landwirte und Landwirtinnen haben die Möglichkeit, im zunehmenden Konkurrenzdruck an Bewirtschaftungsflächen zu kommen, wobei die Pachtpreise fair bleiben und sich nicht an der Maximierung des Pachtzinses sondern an Nachhaltigkeitsaspekten orientieren. Der Boden, den sie bewirtschaften, ist langfristig fruchtbar, was sicherlich ökonomische Vorteile birgt. Außerdem leisten sie einen Beitrag zum Arten- und Naturschutz. Durch das Zusammenspiel von Verpächter und Pächter entsteht oder festigt sich gegenseitiges Verantwortungsgefühl und Verbindlichkeit, welche sich beispielsweise in Vertragslaufzeiten auswirken können. Durch eine Auseinandersetzung mit Alternativen können neue Ideen und Aspekte der Betriebsführung ins Rollen gebracht werden.

Mehr Infos zu Ackerwert gibts hier: https://www.ackerwert.de/
Wie genau der Prozess abläuft, das erfährt man im Youtube Video, klick einfach hier.